Zeitgemäßes Prüfungsformat: Take Home Assignment

Inhaltsverzeichnis
Grundkompetenzen im Modul und der MaVO
Kurzbeschreibung der zeitgemäßen Prüfungsleistung
Take Home Assignment – Grundlegendes zur Prüfungsform
Ablauf der Prüfung
Beispiele für die Prüfungsaufgaben, genauere Erläuterung der Teilleistungen
Korrektur und Feedback
Passung zum Modul und der Prüfungsverordnung
THA als zeitgemäße Prüfungsform?
Passung an die Persona
Abschließend: Nach- und Vorteile
Fazit
Quellen

Disclaimer
Die hier beschriebene zeitgemäße Prüfungsleistung bezieht sich auf die folgenden Personas:
Ariane Dresner (zu finden auf diesem WordPress Blog) von Anneke Gerken
Robert Zimmermann (Link: https://padlet.com/ingaflor/Bookmarks) von Inga Flor

Grundkompetenzen im Modul und der MaVo

In der aktuellen Modulbeschreibung des Moduls biw340 Pädagogisches Handeln in der Sekundarstufe werden verschiedene von den Studierenden zu erwerbende Kompetenzen beschrieben. Es sollen einerseits Fähigkeiten im Bereich der Feststellung und Befähigung zur Studierfähigkeit sowie zur Berufsorientierung, andererseits aber auch Wissen und Fähigkeiten im Bereich der Förderung von sprachlich eingeschränkten SuS und (Hoch-)Begabten erworben werden. Dazu kommen noch Kompetenzen im Bezug zur Erstellung und Bewertung von (Abschluss-)Arbeiten und anderer Prüfungsleistungen.
Diese inhaltlichen Modulschwerpunkte finden sich in der Verordnung über Masterabschlüsse wieder, in der darüber hinaus besonders auf Beratung im Falle individueller Problemsituationen im Rahmen von Schutz- und Risikofaktoren im Jugendalter und (sozialer) Ungleichheit hingewiesen wird. Auch geht die MaVo auf das Konzept der Lehrerprofessionalität und die allgemeine Relevanz von Medienbildung ein.
Um diese zu erwerbenden Kompetenzen in einem umfassenden Maße zu fördern und in einer Prüfungsleistung zum Zuge kommen zu lassen, haben wir uns für eine Form entscheiden, die kompetenzorientiert und in einem eher offenen Format die Studierenden nicht nur zu einem übergreifenden Denken in einer praxisnahen Anwendung, sondern auch im Sinne von lebenslangem Lernen und Anwenden der hier zu erwerbenden Grundkompetenzen fördert.

Kurzbeschreibung der zeitgemäßen Prüfungsleistung

Bei unserem Konzept einer zeitgemäßen Prüfungsleistung handelt es sich um ein Take Home Assignment  – im folgenden mit THA – abgekürzt –  und wird in einigen Texten auch als Take Home Exam bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein zeitlich, räumlich und in der Sozialform flexibles Prüfungsformat, welches aus einer wählbaren Anzahl an kürzeren und längeren Aufgaben besteht, die inhaltlich tendenziell nicht auf sich aufbauen und somit einzeln bearbeitet werden können. Unsere Idee ist, ein THA zur Prüfungsleistung in beiden Modulveranstaltungen zu machen und somit eine Grundlage zu schaffen, Vorlesungs- und Seminarebene zu verknüpfen. Voraussetzung für unsere Prüfungsleistung ist somit, dass VL und Seminar parallel besucht werden.
Es gibt in unserem Konzept drei Teilleistungen
1. Für die Vorlesung die Er- oder Bearbeitung (Analyse und Reflexion) eines Fallbeispiels
2. Für das Seminar eine von den Dozenten wählbare Aufgabe, die ähnlich umfangreich wie die Aufgabe der VL sein sollte, in ihrer Form aber an den Schwerpunkt des Seminars anpassbar ist
3. Mehrere, kürzere Aufgaben, die Inhalte aus VL und SE sinnvoll verbinden und von der/dem Dozent*in des Seminars erstellt und ausgewertet werden

Take Home Assignment – Grundlegendes zur Prüfungsform

Bei der oft auch als Take Home Exam bezeichneten Prüfungsform handelt es sich um eine “schriftliche Prüfung, die nicht an der Uni, sondern zuhause bearbeitet wird. Sie ist eine fragengeleitete Hausarbeit, bei der – im Aufbau vergleichbar einer Klausur – einzelne Fragestellungen zu Hause innerhalb relativ kurzer Bearbeitungszeit selbständig zu lösen sind. Die Verwendung von Hilfsmitteln ist zulässig, diese sind aber wie bei einer Hausarbeit vollständig anzugeben” (Wirtschaftswissenschaftliches Prüfungsamt Universität Bonn o. D.).
Da es sich hier aber weniger um ein Examen, also eine zeitlich kürzere Prüfung wie eine Klausur, sondern eher um ein Assignment, also eine zeitlich länger ausgedehnte Aufgabe handelt, präferieren wie hier diesen Begriff, u.a. auch, um uns vom Take Home Exam abzugrenzen. 
Auch wenn wir das Take Home Exam als eine gute Prüfungsleistung ansehen und als gute argumentative Grundlage für unser neues Prüfungsformat nutzen, haben wir dieses Format für eine zeitgemäße und flexiblere Prüfungsform erweitert und somit das hier beschriebene THA erstellt. 

Was sind die Merkmale solch einer Prüfungsform? 
Laut der Uni Bremen ist ein besonderes Merkmal von Take Home Exams, dass “überwiegend offene Fragen mit komplexen Problemlösungen gestellt werden. Dies können z.B. Fallanalysen, Bewertungen oder Reviews wissenschaftlicher Veröffentlichungen sein. Die Antworten sind somit nicht standardisierbar und individuell” (ZMML 2022).
Damit handelt es sich inhaltlich um offene Fragen, die ein kreatives und vernetzendes Denken erfordern, und keine Wissens- oder Standardfragen. 
Dies könnten u.a. Aufgaben sein, “in denen Studierende…
– ihre Lösung erläutern oder begründen, 
– Sachverhalte in eigenen Worten erklären,
– begründen, warum bestimmte vorgegebene Antworten richtig/falsch sind,
– verschiedene Lösungen für Fragen entwickeln können,
– ein reales Beispiel für einen fachlichen Inhalt geben,
– anhand einer Case Study eine adäquate Methode beschreiben,
– eine komplexe Aufgabe mit einer fachspezifischen Software lösen.
Die erfolgreiche Bearbeitung solcher Aufgaben impliziert das Vorhandensein von Fakten- und Methodenwissen.” (ZLL TUHH 2022)
Durch die Komplexität ist eine vertiefende Recherche nicht nur möglich, sondern auch erwünscht. Außerdem wird bei der Bearbeitung dieser komplexen Aufgaben ein vernetztes und weitreichendes Wissen abgefragt.  
Außerdem ermöglicht diese Prüfungsform besonders einen Austausch der Studierenden untereinander. Einige Prüfungsämter warnen, dass “das Format des Take Home Exams grundsätzlich Absprachen zwischen Studierenden untereinander sowie Zugriff auf die Skripte und das Internet [ermöglicht].” Sie schlussfolgern so: “Um Täuschungen zu erschweren, sollte es in Take Home Exams überwiegend um das Prüfen von Synthese- bzw. Transferleistungen gehen, sodass der Austausch untereinander nicht oder nur wenig zielführend ist.” (ZLL TUHH 2022)
Wir sehen dies bei unserer Prüfungsform auch im Sinne eines zeitgemäßen Prüfungsformats anders. Kollaboration und Zusammenarbeit ist bei dem THA möglich und auch hilfreich, nur die Texte müssen am Ende in Eigenarbeit geschrieben werden. Das muss aber auch schon von Anfang an so abgesprochen werden.
Schlussendlich vereint ein Take Home Exam bzw. besonders in unserer Erweiterung zum Take Home Assignment die Vorteile von Klausuren und Hausarbeiten, wie hilfreich in folgender Tabelle dargestellt wird: 

Klausur, Take Home Exam und Hausarbeit im Vergleich, entnommen aus Atzpodien 2021.

In diesem flexiblen Hybrid aus einer klassischen Klausur und einer Hausarbeit können sowohl die Form als auch die Inhalte an die jeweiligen Vorlesungs- und Seminarkonzepte angepasst werden, wie es auch im Folgenden noch gemacht wird. Vorteil des THA ist es, dass sie eine gute Option ist, “um die Prüfung als eine Fortsetzung des Lernprozesses für die Studierenden zu gestalten anstelle einer reinen Abfrage von vorher vermitteltem Wissen” (Atzpodien 2021).
Es werden generell höhere Kompetenzbereiche der Reflexion (Anforderungsstufe 3: Analysieren und Bewerten) und Anwendung (Anforderungsstufe 2: Anwenden) angesprochen. Auch die 4. Anforderungsstufe “Erweitern und Erschaffen” ist bei einem THA möglich, besonders im Bereich der Seminaraufgaben. Alleine die 1. Anforderungsstufe “Erinnern und Verstehen” wird hier nicht wirklich abgefragt, da diese durch die Möglichkeit zur Absprache zwischen den Studierenden nicht sinnvoll abgefragt und bewertet werden kann. (vgl. Hochschulrektorenkonferenz 2015). 
Als eine der möglichen Herausforderungen und die Lehren, die in Dana Atzpodiens Blogpost zu Take Home Exams reflektiert wurden, war, dass das Prüfungsformat grundsätzlich gut bei den Studierenden ankam. 
Es gab aber in Atzpodiens Fall vor allem zwei Kritikpunkte (vgl. Atzpodien 2021): Die Bearbeitungszeit von einem Tag (in diesem Beispielsfall) war noch zu kurz, sodass man entweder dennoch nicht seine Care-Arbeit oder sonstigen Verpflichtungen nachgehen konnte, oder so lang, dass man sich auch nachts noch daran setze und sich überforderte. Dem würden wir durch eine grundsätzlich lange Bearbeitungszeit und eine Eingrenzung der abzugebenden Seiten entgegenwirken. Der zweite Kritikpunkt war, dass das neue Prüfungsformat und die Ansprüche an das akademische Arbeiten von den Studierenden schlecht einschätzbar waren, aber da das Modul biw340 ein Master-Modul (mit vorziehenden Bachelor-Studierenden) mit fortgeschrittenen Studierenden ist, sollte diese Prüfungsform für kein Problem darstellen. 

Ablauf der Prüfung 

Anfang des Semesters: Weiterleitung der Aufgaben an die Studierenden, Absprache des Formats und Klärung von Fragen (Achtung: je ungewohnter das Prüfungsformat, desto länger Zeit sollte man sich nehmen, um Fragen zu klären und umfangreichere Absprachen zu erstellen, z.B. auch klar darauf hinzuweisen, dass Kollaboration möglich, die Texte aber in Eigenarbeit geschrieben werden müssen)
Bereitstellung der Klausur: Lernmanagement-System, sodass Studierende alle die Aufgabenstellung herunterladen können. Am besten über eine PDF, die barrierefrei sein sollte (Empfehlung: https://www.access-for-all.ch/ch/pdf-accessibility-checker-pac.html)
Abgabe: Ein Monat nach Ende der letzten VL-Woche
Einreichung der Ergebnisse: Durch eine Bearbeitung am Endgerät wird nicht nur eine gute Lesbarkeit sichergestellt, sondern die Abgaben können gut online ablaufen & PlagScan (über die Universität bereitgestellt) kann auch diese Dokumente einfach angewendet werden, um offensichtliches Abschreiben zu vermeiden. Diese digitale Lösung ist nicht so komplex, dass es zu großen technischen Schwierigkeiten kommen könnte. 
Halben Monat, einige Wochen nach Abgabe: Korrektur und Hochladen des Feedbackbogens mit Lösungen und Anregungen (zu Korrektur und Feedback siehe unten)

Beispiele für die Prüfungsaufgaben, genauere Erläuterung der Teilleistungen 

Vorlesungsaufgabe:
Wenn man die Vorlesungsinhalte und das Format beibehalten möchte, was wir in unserem Entwurf so vorsehen, dann bietet es sich an, für die Vorlesungsaufgabe des THA eine Beschreibung, Analyse und Reflexion eines Fallbeispiels heranzuziehen, da von denen zahlreiche in der VL ange- und besprochen werden. Dies würde auch bedeuten, dass es bei Besuch der VL nicht zu Verständnisfragen im THA kommt, da dann das Format der Aufgabe bereits bekannt ist, was Studierende wiederum zu einem aktiven Besuch der VL motiviert. Auch können Studierende bei Bedarf die in der VL verwendeten Fallbeispiele als inhaltliche Vorbereitung auf das THA nutzen.
Allgemein haben Fallbeispiele den Vorteil, dass sie das Einfühlen in und Verstehen von tatsächlichen Situationen des Berufsalltag fördern und somit ein Bewusstsein über die Arbeitspraxis und ihre Hürden schaffen. Durch den offensichtlichen Praxisbezug können sie für Studierende motivierender sein als die Abfrage theoretischer Modelle, auf die sich in der Analyse aber dennoch bezogen wird, und es ist ein Vergleich mit eigenen Praxiserfahrungen möglich.
Für die VL würden sich Fallbeispiele anbieten, die sich einerseits auf die berufliche Orientierung und andererseits auf die verschiedenen Schwierigkeiten des Jugendalters sowie der sozialen Ungleichheit beziehen, da somit die beiden Schwerpunkte der VL abgedeckt werden.
Für die Vorlesungsaufgabe sollte eine kurze Beschreibung des Fallbeispiels, eine Analyse mit Bezug auf die in der VL vorgestellte Theorie und eine Reflexion der Situation (Was wurde im Beispiel gut gehandhabt? Was wäre verbesserungswürdig? Warum?) verschriftlicht werden. Ein Umfang von 1-2 Seiten sollte dafür ausreichend sein, da eine höhere Seitenanzahl sonst zu zeitaufwändig in der Korrektur wäre. Die Korrektur ist von den Dozierenden der VL (oder optional Tutor*innen) vorzunehmen.

Verbindende Aufgaben zwischen VL und Seminar: 
Um eine möglichst enge Verknüpfung zwischen VL und Seminar zu ermöglichen, halten wir es für sinnvoll, eine Reihe an tendenziell kürzeren Aufgaben zu stellen, die Inhalte und Kompetenzen beider Veranstaltungen verbinden. Für das Erstellen und Korrigieren der verbindenden Aufgaben zwischen VL und Seminar ist die Seminarleitung zuständig. Je nach Inhalten des Seminars müssen unterschiedliche Bezüge zur VL erarbeitet werden. Beispielsweise könnte bei einem Seminar, welches sich mit der Sinnhaftigkeit des Benotungssystems in deutschen Schulsystemen kritisch auseinandersetzt, ein Bezug zu den Krisen des Jugendalters in der VL gefunden werden oder aber auch zur Beruflichen Orientierung, welche stark von Noten abhängig ist. Ziel ist es, die verschiedenen Inhalte der beiden Veranstaltungen sinnvoll zu verknüpfen, um eine tiefere Vernetzung beider zu erreichen. Dies motiviert einerseits zur aktiven Teilnahme in beiden Veranstaltungen, und ist andererseits hilfreich für ein nachhaltiges Lernen der Studierenden, da sie ihre Kompetenzen zu übertragen lernen.
Für die verbindenden Aufgaben sollten mehrere, ggf. aufeinander aufbauende Aufgaben durch die/den Seminardozent*in gestellt werden, deren Anzahl und Formate aber grundsätzlich frei wählbar sind, da die genaue Art der Aufgaben vom Seminar und dessen Inhalten abhängig ist. Auch hier bietet sich ein ungefährer Seitenumfang von 1-3 Seiten an, da die Seminarleitung auch noch die Seminaraufgabe zu korrigieren hat. Das Aufgabenformat würde sich hier eher in Richtung Halboffene (z.B. short-answer-Formate), offene Aufgaben bewegen. 

Seminaraufgabe: 
Die Seminaraufgabe ist als eine größere, komplexe Aufgabe gedacht, die auf eines oder mehrere Schwerpunktthemen eingeht, je nach inhaltlicher Ausrichtung des Seminars. Dabei ist die Form der Aufgabe frei durch die Seminarleitung wählbar und kann durchaus auch kreativer oder praktischer Natur sein. So könnte es für ein Seminar mit thematischem Schwerpunkt auf außerschulische Jugendarbeit ein kleines Praxisprojekt mit Jugendlichen erarbeitet und durchgeführt werden oder ein Seminar mit Schwerpunkt im Feld Beruflicher Orientierung könnte ein Workshop-Angebot für Lehrkräfte entwickeln, die sich in der Beratung von SuS nicht sicher fühlen. Ziel ist es, die Inhalte und Kompetenzen des Seminars durch die Aufgabe zu vertiefen und wenn möglich in einem praxisorientierten Rahmen zu erproben, was aber nicht zwingend der Fall sein muss. Allerdings sollen vor allem Planungs- und Gestaltungskompetenzen fokussiert werden, die vor dem Hintergrund theoretischer Modelle und wissenschaftlicher Studien vertieft werden sollen.
Die Seminaraufgabe ist eine einzige, komplexe Aufgabe (bzw. sie kann auch mehrere aufeinander aufbauende Arbeitsschritte beinhalten), die an den Inhalten des Seminars orientiert ist und von der Seminarleitung konzipiert und korrigiert wird. Je nach Art der Aufgabenstellung ist Form und Umfang anzupassen an den Seminarumfang von 3 KP und unter Berücksichtigung des Arbeitsaufwandes für die verbindenden Aufgaben zwischen VL und Seminar.

Korrektur & Feedback

Nur die VL-Aufgaben wird von den VL-Verantwortlichen korrigiert, während die beiden anderen Aufgaben von den Seminarleitenden korrigiert werden, da die diese auch erstellt haben. Dadurch gibt es nur einen geringen Mehraufwand für die Dozierenden der VL im Vergleich zur aktuellen Prüfungsform. Vor der Herausgabe des THA sollte in einem Erwartungshorizont neben inhaltlichen Aspekten auch Anforderungen an das wissenschaftliche Arbeiten festgehalten und den Studierenden gegenüber kommuniziert werden, da das Modul durch die Pädagogik gestaltet wird und die Studierenden ggf. andere Zitierarten oder andere Formalia aus ihren fachspezifischen Fakultäten und Instituten kennen, was zu Verwirrung führen könnte. Zur Korrektur könnte und sollte eine Plagiatskontrolle angewandt werden (z.B. PlagScan als in Stud.IP integriertes tool, das wenig Mehraufwand bedeutet), um sicherzugehen, dass keine identischen Texte abgegeben wurden. 
Da es sich hier hauptsächlich um offene Aufgaben handelt, wäre es wichtig, vorab Erwartungshorizonte für die Auswertung zu erstellen, damit Objektivität gewährleistet werden kann (vgl. Behrens 2018, 97). 
Wenn ein Großteil der Korrekturen abgeschlossen aber noch nicht die Noten eingetragen wurden, ist es möglich, einen Feedback-Bogen zu erstellen, auf dem einerseits “Modell-”Lösungen, bzw. relevante Konzepte für jede Aufgabe angegeben werden. Andererseits könnten darauf auch Anmerkungen eingeschlossen werden wie: “Hier haben Studierende oft […] genannt. Dies würde in diesem Fall nicht greifen, weil…” oder “Achtung: Bitte an […] denken!”. Bei diesen Anmerkungen könnte auf oft vorhandene Fehler eingegangen werden, sodass direkt auch auf die Ergebnisse der Studierende reagiert werden kann, ohne ausführliche Feedbackbögen an jede*n zuzustellen. Wenn dieser Feedback-Bogen vor Eintragung der Noten verschickt wird, kann man auch davon ausgehen, dass dieser aufmerksam von den Studierenden gelesen wird, da sie daran interessiert sind herauszufinden, ob ihre Antworten angemessen gewesen sein können. Damit kann man versichern, dass Feedback und eine Rückmeldung zur Prüfungsleistung auch nach Abgabe noch einmal bei den Studierenden ankommt und die Informationen nicht direkt versickern und nie wieder im Leben und Studium relevant sind. 

Passung zum Modul & Prüfungsordnung 

Aktuell steht in der Modulbeschreibung, dass für die VL ein Kurztest und für das Seminar eine Auswahl an verschiedenen Prüfungsformen vorgesehen ist. Um das THA zu einer im Modul zugelassenen Prüfungsleistung zu machen, müsste dieses zunächst in der Modulbeschreibung aufgeführt werden, was es bisher nicht ist. Allerdings ist uns die Prüfungsform des THA in einer ähnlichen Form aus der Anglistik bereits bekannt, wo es unter einer Portfolioleistung läuft und sich daher mit der Prüfungsordnung der Universität Oldenburg vereinbaren lässt. Man müsste also das Portfolio als Prüfungsformat für das Modul biw340 festlegen. In der Modulbeschreibung würde dann aufgeführt werden müssen, dass in VL und Seminar eine Mindestanzahl von Teilleistungen vorgesehen ist, zum Beispiel so:
VL: 1 schriftliche Teilleistung: Ausarbeitung
Seminar: 2-5 Teilleistungen (1-4 schriftliche Teilleistungen mit direktem Bezug zur VL; 1 Teilleistung zum Schwerpunkt des Seminars): Übungsaufgabe(n), Ausarbeitung(en)
Die einzelnen Teilleistungen können ähnlich zu den bereits in der Modulbeschreibung für die Seminare erlaubten 1-2 Übungsaufgaben, etc.  genannt werden, so dass sichergestellt ist, dass diese mit der Prüfungsordnung übereinstimmen.

THA als zeitgemäße Prüfungsform?

Das Institut für zeitgemäße Prüfungskultur stellt fest: “Wir können uns die schönsten Dinge für den Lernprozess ausdenken. Lernende werden immer danach fragen, welche Prüfungen am Ende auf sie warten.” (Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. 2022)
Das heißt, dass die Prüfungskultur immer die Lernkultur prägt und vice versa. Da knüpft unsere Prüfungsform direkt an. Die Lernenden wissen hier direkt von Anfang an im Semester, nicht nur welche Prüfung auf sie wartet, sondern haben diese Prüfung von Anfang an vor sich liegen!
Auf der Website des Instituts heißt es: “In einer traditionellen Prüfungskultur sind die verschiedenen Dimensionen eines Prüfungsformats sehr eng definiert. So sind beispielsweise Raum und Zeit der Durchführung exakt vorgegeben. Dies geschieht in der Annahme, man könne so eine Vergleichbarkeit der Leistungen von Lernenden sicherstellen. In einer zeitgemäßen Prüfungskultur hat diese Prämisse ihre Plausibilität und Gültigkeit verloren. Nicht die Vergleichbarkeit von Leistungen, sondern die Förderung des Lernens steht stattdessen im Zentrum.” (Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. 2022)
Ähnlich funktioniert die Prüfung im aktuellen Modul nach dem Vorbild einer traditionellen Prüfungskultur: Mit einer Klausur, die alle gleichzeitig am Ende des Semesters schreiben. 
Besonders relevant ist folgender Punkt: “Was aus Sicht einer traditionellen Prüfungskultur als Betrugsversuch und unlautere Informationsbeschaffung gilt, ist unter dem Vorzeichen einer zeitgemäßen Prüfungskultur eine legitime Handlungsmöglichkeit nicht mehr nur in Lern-, sondern auch in Prüfungssituationen: Lern- und Prüfungsprozesse verschmelzen, zugunsten von Lernprozessen.” (Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. 2022)
In unserer Prüfungsform wird es den Studierenden ermöglicht, mit anderen Studierenden zusammenzuarbeiten, sich mit ihnen auszutauschen, Hilfsmittel zu nutzen. Was lange und oft als Plagiat angesehen wurde/immer noch wird, ist im Alltag Normalität: Sich auszutauschen, zu googlen, andere zu fragen. Dies soll auch in dieser Prüfungsform möglich sein.
Denn: Ziel eines zeitgemäßen Prüfungsformats ist es, “die erweiterten Möglichkeiten für die konkrete Situation der Lernenden so einzusetzen, dass Lernen in Sinne einer nachhaltigen Bildungserfahrung wahrscheinlicher wird.”
(Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. 2022)

Das Prüfungsformat eines THA erfüllt fast alle Kriterien einer zeitgemäßen Prüfungsform, auf die hier kurz eingegangen werden soll (Kriterien und Beschreibung entnommen aus (Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. 2022):

Sinnerleben
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur sind Prüfungen sinnvolle Erfahrungen und kein Reproduzieren zur Erfüllung vordefinierter Erwartungshorizonte, was als wenig sinnvoll erlebt wird.

→ Zwar wird für der Prüfung ein ungefährer Erwartungshorizont festgelegt, doch die Studierenden beantworten mit praxisnahen und damit auch sinnvollen Aufgaben, die Erfahrungen aus dem späteren Leben darstellen. Auch werden die Antworten nicht direkt an diesem Erwartungshorizont nach richtig/falsch abgeglichen, sondern es geht um individuelle Lernerfahrungen und Antworten.   

Kommunikation
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur sind Prüfungen Orte gelingender Kommunikation und keine Sonderzone, in der Kommunikation ohne persönliche Relevanz nach formalen Kriterien erfolgt.

→ Das THA erlaubt nicht nur eine Kommunikation unter Studierenden, sondern sie ist auch ein sinnvoller Akt. Dadurch wird auch eine Form sinnvoller Kollaboration gelernt, wie sie im späteren Berufsalltag hilfreich und sinnvoll ist (was auch in der VL besprochen wurde ;))

Lernprozesse
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur setzen Prüfungen vorherige Lernprozesse fort und beenden sie nicht mittels einer vermeintlich objektiven Leistungsmessung unter dem Druck kontrollierter Bedingungen.

→ Weder sind hier die Bedingungen komplett kontrolliert, noch wird ein Lernprozess beendet oder eine Prüfung isoliert vom sonstigen Lernprozess geschrieben. Genau das Gegenteil ist der Fall: Nicht nur der Lernprozess während des gesamten Semesters wird fortgeführt, sondern auch der gesamte Lernprozess, den die Studierenden während ihrer gesamten Bildungswissenschaften-Module durchlaufen sind. Das THA stellt eine Aufforderung zu vernetzendem Denken und Arbeiten dar, was auch über die Prüfungsform hinaus zu sinnvollen Prozessen führen kann. 

Verstehen
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur sind Prüfungen auf wachsendes und nachhaltiges Verstehen ausgerichtet, nicht auf das Nachweisen bestehenden Wissens oder bereits erworbener Kompetenzen.

→ Wachsendes und nachhaltiges Wissen heißt vernetztes Wissen, was hier nicht nur gefordert, sondern auch GEFÖRDERT wird, d.h. auch während des Prozesses können noch weitere Konzepte im Verstehensprozess erworben werden. 

Motivation
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur sind Prüfungen Orte motivierten und interessierten Arbeitens und verlassen sich nicht auf einen äußerlichen Zwang zur Teilnahme, die auch ohne innere Beteiligung erfolgen kann.

→ Zwar sind die Studierenden gezwungen, die Prüfungsleistung durchzuführen, doch wir haben die Hoffnung, dass es auch eine Motivation gibt, sich mit den praxisnahen Beispielen und auch den offeneren und kreativen Aufgaben aus dem Seminarteil zu beschäftigen. 

Rückmeldung
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur sind Prüfungen dialogisch angelegt. Sie geben durch Zutrauen, Rückmeldung und Begleitung nachhaltige Anerkennung, so dass Beurteilung und Noten zurücktreten oder wegfallen können.

→ Ein Nachteil ist, dass wir während der Prüfungsphase oder im Sinne eines formativen Assessments nicht dialogische Rückmeldungen durch die Prüfenden bieten können. Was geboten werden kann, ist die Rückmeldung mit dem Feedbackbogen und der Modelllösung am Ende des Semesters. Besonders aber sind wir auch davon überzeugt, dass durch die Arbeit mit anderen Studierenden zu einer Rückmeldungsschleife untereinander führen könnte. 

Benotungen
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur sind Benotungen ein dem eigentlichen Ziel des Lernens äußerliches Erfordernis und kein ausreichender Grund zur Durchführung von Prüfungen.

→ Auch diesem Punkt können wir nicht 100%ig mit unsere Prüfungsform entsprechen, da wir weiterhin in einem universitären Kontext sind, der Bewertungen erfordert. Dennoch sehen wir als Ziel und Grund der in dieser Prüfungsform gestellten Aufgaben nicht nur die Bewertung. 

Vertrauen
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur wird jungen Menschen mit Vertrauen statt Kontrolle begegnet. 

→ Vertrauen ist auf jeden Fall ein Merkmal, das diese Prüfungsform auszeichnet. Durch weniger kontrollierte zeitliche und örtliche Bedingungen und auch die offene Form wird den Studierenden ein Vertrauen ausgesprochen. 

Gemeinschaftlichkeit
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur erleben sich Menschen als gleichwertige Teile, die in Gemeinschaftlichkeit miteinander verbunden sind. Sie bauen ihr Selbstwertgefühl auf Anerkennung und nicht über gegenseitige Leistungsvergleiche auf.

→ Auch hier greift wieder die Möglichkeit der Kollaboration in der Prüfungsform. Es ist erlaubt und sogar erwünscht, dass sich die Studierenden gegenseitig bereichern. 

Entwicklung
In einer zeitgemäßen Prüfungskultur dienen Prüfungen dem Lernen, sind die einzelnen Prüfungsformate nicht auf das Ein- und Aussortieren optimiert, sondern auf die Eignung für die persönliche Entwicklung der Lernenden.

→ Auch dies sehen wir in unseren Prüfungsform eindeutig erfüllt. 

Um abschließend unsere Prüfungsform mit der eines typischen, zeitgemäßen Prüfungsformat abzugleichen, haben wir das tool auf der Website verwendet. Wie man sieht macht unsere Prüfungsform hauptsächlich Abstriche beim Feedback und den Auswahlmöglichkeiten von Aufgaben, ist dadurch aber besonders flexibel bezüglich Raum, Zeit und Sozialform. 

Regulär: 

Unser Format: 

Auch auf der Website wird unter https://pruefungskultur.de/linksammlung.html ein Hinweis auf ein YouTube Video gegeben, das sich mit Take Home Exams beschäftigt, sodass auch die Website ein Take Home Exam als angemessenes, zeitgemäßes Prüfungsformat ansieht: https://www.youtube.com/watch?v=mBOfGtDHjF4

Passung an die Persona 

Ariane Dresner: 
Ariane ist durch ihre Familie und ihren entfernten Wohnort auf hohe Flexibilität bei Prüfungen angewiesen. Das ständige Pendeln nach Oldenburg und die zusätzlich von ihr erbrachte Care-Arbeit nehmen ihr besonders im stressiger werdenden Ende der Vorlesungszeit und in der Prüfungsphase danach viel Zeit, Prüfungsformate wie recherchelastige Hausarbeiten, Referate oder Gruppenarbeiten möglichst rechtzeitig und ohne zu viel Stress abzulegen. Für sie ist das THA ideal, da es über einen längeren Zeitraum von zuhause aus bearbeitet werden kann, was ihr viel Stress und Zeitverluste erspart. So hat sie es außerdem einfacher, für ihre Familie da zu sein und ihren Alltag organisiert zu bekommen. 

Robert Zimmermann:
Wie auch für Ariane ist für Robert eine zeitlich und gerne auch räumlich entzerrte Prüfung ideal, da er hohen Stress und Leistungsdruck am Ende des Semesters bzw. der Vorlesungszeit vermeiden möchte. Hierfür ist das THA ideal, da es über einen längeren Zeitraum in selbst wählbarer Arbeitsform, bei der aber dennoch jeder selbst eine eindeutige Leistung erbringt, bearbeitet wird. Robert ist auch besonders die eigene Leistung wichtig, da er es für fairer und transparenter hält, wenn jede/r Student*in für eine eigene Abgabe benotet wird. Er mag klassische Gruppenarbeiten gerade deswegen nicht, weil es schnell zu ungleichem Arbeitsaufwand kommt, der sich in der Benotung mit einer einzelnen Gruppennote nicht widerspiegelt. Das THA erlaubt es aber stattdessen, dass er sich mit Kommiliton*innen in der Bearbeitungszeit absprechen und in den Dialog treten kann, ohne dass dies sanktioniert wird, weil jeder am Ende seinen eigenen Text oder sein eigenes Projekt abzugeben hat. 

An das Persona-Netzwerk allgemein: 
Vieles, was für Ariane und Robert wichtig ist, findet sich auch bei den anderen Personas des Kurses wieder. In der Übersicht dazu, was den Personas allgemein wichtig ist, wenn es um die Konstruktion neuer Prüfungen geht, ist deutlich zu erkennen, dass die wichtigsten Aspekte räumliche und zeitliche Flexibilität bei der Bearbeitung der Prüfung sind. Diese erfüllt das THA. Auch gibt es den Wunsch nach verschiedenen Arbeits- bzw. Sozialformen, die sich je nach Präferenz wählen lassen. Im THA muss zwar jede*r eine eigene Arbeit abgeben, aber ein intensiver Austausch zwischen Kommiliton*innen ist im Konzept mit eingeplant und wird nicht als Absprache sanktioniert. Darüber hinaus wird die Note des THA durch mehrere Teilnoten aus Aufgaben von unterschiedlichen Prüfern in VL und SE berechnet, wodurch die Endnote fairer wird, weil sie nicht nur an einer einzigen Leistung und einer prüfenden Person hängt. Ein anderer Wunsch besteht in verschiedenen Prüfungsformaten, auf welche das THA leider weniger gut eingehen kann, da es sich in seiner Grundidee eher auf schriftliche Aufgaben bezieht, allerdings sehen wir gerade in den Teilleistungen, die sich nur auf das Seminar beziehen, Möglichkeiten der offeneren Gestaltung, weshalb vielleicht auf diesem Wege von Seiten der Seminarleitungen besser auf den Wunsch eingegangen werden kann.
Auch werden hier Sorgen und Beschwerden wie “Internetprobleme”, “klare Regelungen falls z.B. das WLAN ausfällt” umgangen und auch andere Wünsche wie “Transparenz bei der Vorbereitung”, “Praxisnähe”, “Lernzuwachs”, “Fairness”, “Räumliche Flexibilität”, “Zeitliche Flexibilität” und aber auch dennoch “schon während des Semesters” erfüllt. 
Auch handelt es sich nicht um Bulimielernen! 

Zur Übersichtlichkeit haben wir in der Übersicht noch markiert, was wir bei unserer Prüfungsform erfüllt sehen. 

Abschließend: Nach- und Vorteile 

Nachteil: Keine bis wenige Möglichkeiten für formative Assessment (FA) & Feedback innerhalb des Semesters
Es gibt kein explizites und persönliches Feedback, evtl auch schon während des Semesters, aber schon die Tatsache, dass die Studierenden sich austauschen können, sorgt dafür, dass sie Feedback bekommen können. Auch das Feedback nach Abgabezeitraum kann hilfreich sein, auch wenn es nicht unbedingt personalisiert ist.

Nachteil: VL und Seminar müssen von den Studierenden in demselben Semester besucht werden. Dadurch gibt es etwas weniger Flexibilität in der Belegung. 

Nachteil: Seminare können nicht mit abgeschlossenen Arbeitsergebnissen arbeiten & darauf aufbauen
(keine klaren Lernaufgaben, sondern eher kombiniert, wie im Seminar erwähnt sieht das aber so bei zeitgemäßen Prüfungsformen aus)
Dies hängt damit zusammen, dass wir in diesem Prüfungsformat nicht unbedingt Lernaufgaben haben, da dies hier nicht funktioniert und passt. Dennoch sehen wir die Prüfungsleistung als sinnvoll an, weil die Konstruktion etc überwiegen und Lernaufgaben auch schon deutlich mehr Zeitaufwand bedeuten würden.
Außerdem haben wir uns die Frage gestellt, ob es es überhaupt einen Unterschied zwischen Lern- und Testaufgaben gibt, besonders bei zeitgemäßen Prüfungen? Unsere Antwort darauf wäre nein, denn wie in unserem Seminar wird die Langzeitaufgabe, die erst eine Lernaufgabe ist, dann zur Testaufgabe. 

Nachteil: Möglicherweise Erhöhung des Arbeitsaufwands vor Lehrende
Freitext dauert länger zu korrigieren als multiple choice, ist komplexer zu erstellen und Lehrende müssen VL-Inhalte kennen, was auch ein weiterer Nachteil sein kann: 

Nachteil: Passung an VL-Inhalte mögl. schwierig für Lehrende – Voraussetzung: Die Lehrenden müssen wissen, was in der VL vorkommen 
Dies ist aber ein Nach- und Vorteil: Es ist schwierig, gute vernetzte Prüfungsaufgaben zu erstellen, wenn kein Wissen über die VL bei den Dozierenden besteht. Aber: Dies ist auch ein Vorteil, weil es die Lehrenden zwingt, sich mit den VL-Inhalten auseinanderzusetzen und die Seminare daran anzupassen. 

Vor- aber auch möglicher Nachteil: Kooperation unter Studierenden wird gefördert (dadurch möglicherweise vermehrt Plagiate?)

Vorteil: Zeitliche Flexibilität
Es ist gut, dass man länger Zeit hat: denn auch in unserem Seminar konnte man sehen und es wurde auch berichtet, dass viele Studierende in den letzten Wochen des Semesters viel Stress haben.
Besonders Studierende, die viel nebenher arbeiten oder auch in der Corona-Zeit Care Aufgaben übernehmen mussten, können sich die Prüfung besser einteilen. Dennoch gibt es eine klar eingegrenzte Zeit und Planungssicherheit. Das hängt auch mit dem folgenden Punkt zusammen: 

Vorteil: Keine Überforderung von Studierenden
Das sorgt vmtl. nicht zu zu langem Aufschieben, wie es oft bei Hausarbeiten üblich ist. 

Vorteil: Korrekturzeitraum der Bewertung gegenüber normalen Hausarbeiten besser einzuschätzen
Man hat alle Vorurteile des vernetzten und eigenständigen Arbeitens wie bei Hausarbeiten mit etwas geringerem Korrekturaufwand. 

Vorteil: Gütekriterien (Validität, Reliabilität etc.) möglichst gut eingehalten
Durch die Abfrage und die direkte Anwendung der in der VL und im Seminar erworbenen Kompetenzen ist die Prüfungsform sehr valide. Zudem ist sie auch recht reliabel durch klar definierte Erwartungshorizonte trotz einer Offenheit für subjektive Einordnungen (was in diesem Kontext valide ist!). Sie ist nur nicht komplett objektiv wie es bei Multiple Choice wäre, doch es ist leider auch nicht möglich, komplett objektive und reliable und dennoch valide Prüfungsformen zu erstellen. In unserem Fall ist uns aber die Validität am wichtigsten, die wir hier gegeben sehen.  

Vorteil: Kompetenzen fordern und fördern – Higher Order Thinking Skills und Anforderungsbereiche
Grundsätzlich werden in unserem Prüfungsformat die höheren Anforderungs- und Kompetenzbereiche, sowie in einem angemessenen Maße die Kompetenzen, die nach MaVo und im Modul festgelegt sind, gefördert. Damit kommen wir in den Bereich der sogenannten “Higher Order Thinking Skills”:

Zu finden unter: https://www.knowatom.com/hs-fs/hubfs/slide2-10.jpg?width=709&height=463&name=slide2-10.jpg

Vorteil: Praxisbezogenheit

Vorteil: Sowohl in der Distanz- als auch Präsenzlehre durchführbar
Während der COVID-19 Pandemie und des Lockdowns hatten viele Studiengänge Schwierigkeiten, ihre Prüfungsleistungen auf den digitalen Raum zu übertragen. In der Theologie haben unter anderem Lehrende ewig dafür gekämpft, dass sie trotz steigender Fallzahlen und dem Unwohlsein der Studierenden Klausuren in Präsenz schreiben können, da ihre Inhalte bereits in der VL darauf ausgelegt sind, dass sie nur im Sinne von Bulimielernen kurz niedergeschrieben und abgefragt werden können. Das war ein Armutszeugnis der Art von Wissen, die wir teilweise vermitteln. 
Stattdessen könnte solch ein THA sogar während der Pandemie zuhause bearbeiten als auch in der Uni Zeit, wo sie sich auch vor und nach Vorlesungen, in der Mensa, der Bib etc. mit anderen austauschen können. 
(Und: sollte wieder eine Pandemie kommen, muss man sich weder mit der Raumplanung, noch mit Hygienekonzepten oder digitalen Prüfungsformaten auseinandersetzen ;))

Vorteil der übergreifenden Aufgabe: Übertrag! Inhalte aus der VL werden übernommen und übertragen in einen neuen Kontext, die nicht weiter um dieselben Inhalte, Methoden etc. kreisen
Dadurch gibt es eine Vernetzung und Verbindung der VL-Inhalte, was in jedem guten Modul gegeben sein sollte. 

Vorteil: Fördern von lebenslangem Lernen, dem vielschichtigen Betrachten komplexer Situationen im Alltag 

Fazit 

Letztendlich entspricht diese Prüfungsform genau dem, was das Modul will: “Das Modul baut auf den zuvor vermittelten Kenntnissen zu Diagnostik und Förderung, Schulentwicklung, Heterogenität/Diversität und Inklusion auf und führt das bildungswissenschaftliche Studium schulstufenbezogen (Sekundarstufe I) zum Abschluss.”
Für ein Modul, das am Ende des bildungswissenschaftlichen Studiums steht, ist es sinnvoll, eine Prüfungsleistung zu haben, die es nicht nur ermöglicht, Wissen aus dieser VL zu verknüpfen, sondern auch “über den Tellerrand hinaus” zu schauen, um dazu angeregt zu werden, sich an Wissen aus den vorherigen Modulen zu erinnern. 
Unsere Prüfungsform ermuntert die Studierenden, ihr Wissen aus den gesamten vergangenen Semestern wieder zu nutzen, anzuwenden und so auch im Sinne eines lebenslangen Lernens zu merken, wie komplex Aufgaben und Situationen in der Schule sein können. Auch ist es möglich, kreative und an das Seminar angepasste Aufgaben zu erstellen. Man wird ermutigt, kollaborativ und vernetzt zu denken, in einer Prüfungsform, die zeitgemäß und realistisch die Wünsche der Studierenden nach Flexibilität, praxisnähe und Kollaboration erfüllt. 
Diese Prüfungsform spricht ein hohes Maß an Vertrauen gegenüber den Studierenden und Eigenverantwortung, sowie ein Respekt gegenüber ihren alltäglichen Verhältnissen und Zeitbelastungen aus. Man wird auch nicht so unter Druck gesetzt durch enge Zeitfenster, mögliche technische Probleme o.ä.
Trotzdem gibt es eine eingeschränkte Bearbeitungszeit, die noch trotz gegebener Freiheiten eine gewisse Planungssicherheit ermöglicht.

Quellen  

Atzpodien, Dana (2021), Take Home Exams als alternative Prüfungsformen in der Politikwissenschaft. Online verfügabr unter https://www.hochschullehre-politik.de/2021/08/04/take-home-exams-als-alternative-pruefungsformen-in-der-politikwissenschaft/ (zuletzt aufgerufen 16.07.2022).

Behrens, Dorthe (2018), Konzeption, Entwicklung und Evaluation von Lernmaterialien (KEEL) (Dissertationsschrift). 

Hochschulrektorenkonferenz (2015), Kompetenzorientiert prüfen. Zum Lernergebnis passende Prüfungsaufgaben (Nexus Impulse für die Praxis, 4). Online verfügbar unter www.hrk-nexus.de/impulse/kompetenzorientiertpruefen.pdf (zuletzt abgerufen 12.07.2022). 

Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. (2022), Formatreflexion. Online verfügbar unter https://pruefungskultur.de/formatspinne.html?0=1&1=3&2=2&3=3&4=2&5=3&6=3&7=2 (zuletzt abgerufen 16.07.2022). 

Institut für zeitgemäße Prüfungskultur e.V. (2022), Startseite. Online verfügbar unter https://pruefungskultur.de (zuletzt abgerufen 16.07.2022). 

Wirtschaftswissenschaftliches Prüfungsamt Universität Bonn (o.D.), Take-Home Exam. Online verfügbar unter https://www.vwlpamt.uni-bonn.de/pruefungsamt/pdfs/allgemeine-veroeffentlichungen/details-take-home-exam (zuletzt aufgerufen 13.07.2022).

ZLL TUHH (2022), Take Home Exam. Online verfügbar unter https://www2.tuhh.de/zll/freischwimmer/take-home-exam/ (zuletzt aufgerufen 14.07.2022).

ZMML (2022), Take Home Exam über Stud.IP. Online verfügbar unter https://www.uni-bremen.de/zmml/kompetenzbereiche/e-assessment/pruefungsformen/take-home-exam (zuletzt aufgerufen 14.07.2022).

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